Kalesija
Ende 2008 wurde die Städtefreundschaft Zug – Kalesija mit einer Zusammenarbeitsvereinbarung verbrieft.

Rund 1000 Bürgerinnen und Bürger aus Kalesija, Bosnien Herzegowina, fast ausschliesslich Muslime, leben im Kanton Zug. Sie sind vor allem in den 1970er und 1980er Jahren als Bauarbeiter in die Schweiz gekommen. In den 1990er Jahren - während des Bosnienkrieges - haben viele dieser Männer ihre Familien in die Schweiz geholt.
Kalesija hat rund 40‘000 Einwohnende und ist immer noch vom Bosnienkrieg gezeichnet. Der Wiederaufbau stockt. Mit verschiedenen Hilfsgüterlieferungen hat die Stadt Zug in den letzten Jahren einen Beitrag zum Wiederaufbau leisten können (Schulmobiliar, Material der Feuerwehr, des Zivilschutzes und des Werkhofs, Computergeräte sowie verschiedene Sanitäreinrichtungen des Bauteilladens der GGZ).
Ende 2008 wurde die Städtefreundschaft Zug – Kalesija mit einer Zusammenarbeitsvereinbarung verbrieft. Nebst Hilfsgüterlieferungen soll die Zusammenarbeit auf verschiedenen Gebieten, insbesondere auch im kulturellen Bereich vertieft werden.
Verein Zug - Kalesija
Ein Verein verbindet die beiden Orte Zug und Kalesija
Die zarten Bande zwischen der bosnisch-hezegowinischen Stadt Kalesija und Zug sind durch einen neu gegründeten Verein gefestigt worden. An der Spitze des Vereins Zug-Kalesija stehen eine Zugerin, Stadträtin Vroni Straub-Müller, und ein Kalesijaner, Huso Djedovic.
Die neueren Kontakte zwischen Kalesija und Zug reichen ins Jahr 2006 zurück. Damals besuchte ziemlich spontan eine Delegation aus Kalesija den Zuger Stadtrat. Schnell war klar, dass dieser Kontakt ausgebaut werden soll. Zum einen in der Tatsache, dass die wirtschaftlichen Voraussetzungen der beiden Städte grundverschieden sind: Zug, ein prosperierender Ort mit damals 25'000 Einwohnern und der fast gleichen Anzahl von Arbeitsplätzen. Kalesija, eine vom Bosnienkrieg gezeichnete Stadt mit 40'000 Einwohnern, die um den wirtschaftlichen Anschluss kämpft und Arbeit für gerade 2000 Menschen bietet. Kein Wunder suchen viele im Ausland eine neue Zukunft. Im Falle von Kalesija traf es sich, dass heute rund 1000 von ihnen im Kanton Zug leben, zum Teil bereits in der zweite Generation und viele auch eingebürgert.
Hilfeleistungen und Austausch
Die schwierige wirtschaftliche Situation, aber auch die vielen im Kanton Zug lebenden Menschen aus Kalesija bewegten den Stadtrat nach der Begegnung im Jahre 2006, eine Städtepartnerschaft einzugehen, wie Arthur Cantieni, Zuger Stadtschreiber, in seinem Rückblick ausführte. Cantieni setzte sich in der Folge aktiv für die Beziehung ein. Es begann mit Hilfeleistungen, indem Zug Güter wie Schulmöbel, Feuerwehrmaterial, Computer und anderes mehr den Menschen in Kalesija unentgeltlich zur Verfügung stellte. Ein Höhepunkt war das interkulturelle Fest im Juni 2010 im Theater-Casino, als unter anderem zugerische und bosnische Tanzgruppen zusammen auftraten. Eine Fotoausstellung über Kalesija sowie eine bosnische Filmwoche ergänzten das Programm. Und immer wieder besuchten auch Zugerinnen und Zuger das bosnische Land. Zuletzt im Sommer 2012, als Zug eine Gedenkfahrt nach Srebrenica organisierte.
Ein Vorstand mit elf Mitgliedern
Diese Reise hinterliess bei vielen Teilnehmenden bleibende Eindrücke, so auch bei Stadträtin Vroni Straub-Müller. Sie sagte denn auch spontan zu, beim Verein Zug-Kalesija mitzuwirken. «Das Land hat nach dieser Reise ein Gesicht bekommen. Es wird Zeit, den Kontakt verbindlicher zu gestalten», sagte sie an der Vereinsgründung vom 3. Mai 2013, die Arthur Cantieni als Tagespräsident leitete. Dieser sah sich an diesem Abend mit einem eher ungewöhnlichen und zugleich positiven «Phänomen» konfrontiert: Von den rund 50 Gründungsmitgliedern erklärte sich rund ein Fünftel bereit, aktiv im Verein mitzuarbeiten! Und so kommt es, dass der neu gegründete Verein mit einem Vorstand von 11 Personen startet. Ein starkes Zeichen in Zeiten, in denen es immer schwieriger wird, Leute für ehrenamtliche Tätigkeiten zu finden. Das Präsidium teilen sich Huso Dedovic und Vroni Straub-Müller. Die weiteren Vorstandsmitglieder: Merjema Demic, Aktuarin, Werner Iten, Kassier, und als Beisitzer: Miralem Hadzic, Franco Keller, Samra Livadic, Amira Lokmic, Aid Ramic, Eljub Ramic, Dino Sabanovic. Die Rechnungsrevisoren: Gerold Fraefel und Nedim Livadic.
Bereits erste Aktivitäten
Kaum war der Gründungsakt vollendet, präsentierten Anwesende bereits erste Projekte. So wurde Geld gesammelt, um das Schloss Ostrožac in Bihac; instand zu stellen. Der Zuger Stefan Huber, angehender Sekundarlehrer und Teilnehmer der Srebrenica-Gedenkreise, wird im Rahmen seiner Masterarbeit und des Geschichtsunterrichts Mütter von Srebrenica mit Zuger Schülern konfrontieren. Die Mütter von Srebrenica werden Gelegenheit haben in Zug wie auch in Luzern einer breiten Öffentlichkeit über den Völkermord von Srebrenica zu berichten.